Hamburg (KNA) Katholische Theologen kritisieren die Verwendung christlicher Symbole in einem Theaterstück über den gestrandeten Buckelwal "Timmy". Die Inszenierung "Timmy - Die Hope stirbt zuletzt" greife zwar zu Recht die teilweise sektenartige Verehrung des Wals auf, bediene sich dafür aber ...
Hamburg (KNA) Katholische Theologen kritisieren die Verwendung christlicher Symbole in einem Theaterstück über den gestrandeten Buckelwal "Timmy". Die Inszenierung "Timmy - Die Hope stirbt zuletzt" greife zwar zu Recht die teilweise sektenartige Verehrung des Wals auf, bediene sich dafür aber einer unpassenden kirchlichen Bildsprache, sagte der katholische Theologe Joachim Valentin, Leiter der Katholischen Akademie Rabanus Maurus in Frankfurt, am Montag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). "Hier wird ein Bild von Kirche dargestellt, das mit der Kirche, wie sie existiert, nichts zu tun hat."
Auch der Bonner Liturgiewissenschaftler Albert Gerhards äußerte Bedenken. "Die Übertragung des Kreuzestodes auf den Wal ist von der Dimensionierung her verfehlt", sagte er der KNA. Für Christen sei der Tod Jesu ein einmaliges Geschehen. Werde dieses Motiv auf andere spektakuläre Leidensgeschichten übertragen, drohe seine spezifische religiöse Bedeutung beliebig zu werden.
In dem am Samstag am Ernst Deutsch Theater in Hamburg uraufgeführten Stück wird das Schicksal des Wals, das über Wochen große öffentliche Aufmerksamkeit auslöste, unter anderem mit Motiven aus der christlichen Passionsgeschichte und der katholischen Messe erzählt. "Timmy" wird dabei am Kreuz dargestellt und als eine Art Erlöser inszeniert. Laut Regisseur Alexander Klessinger soll damit die mediale und gesellschaftliche Überhöhung des Tieres karikiert werden.
"Timmy" sei fast heiliggesprochen worden, sagte Klessinger dem NDR. Immer wieder sei gefragt worden, was der Wal den Menschen sagen wolle und welche Botschaft er habe. "Da war die Verknüpfung mit Liturgie, Messekontext und religiöser Aufladung für mich gar nicht so weit entfernt." Die Inszenierung sei natürlich überspitzt.
Valentin hält es für problematisch, dass die katholische Kirche und ihre Rituale als Bild für eine sektenartige Bewegung verwendet würden. "Bei uns wird nicht irgendein Opfer verehrt, sondern der Erlöser der Menschheit", so der Theologe. Das seien zwei verschiedene Dinge. Vor 20 Jahren wäre eine solche Darstellung nach seinen Worten vermutlich noch als blasphemisch bezeichnet worden.
Gerhards betonte, die Verwendung von Tieren in Kreuzigungsdarstellungen sei keineswegs neu. Solche Motive fänden sich bereits in der Antike und später immer wieder in der Kunst. Entscheidend sei jedoch der jeweilige Zusammenhang und die Aussageabsicht.
Dass Kreuzigungs- und Erlösungsmotive auch in einer zunehmend säkularen Gesellschaft weiterhin verstanden würden, überrasche ihn nicht, sagte Gerhards. Das Kreuz sei kulturell nach wie vor präsent. "Je stärker sich Menschen jedoch von seinem religiösen Ursprung entfernen, desto leichter lässt sich das Symbol auf andere Zusammenhänge übertragen und desto beliebiger kann seine Verwendung werden."
Auch Valentin verwies auf die anhaltende Wirkung christlicher Motive in der Gegenwartskultur. "Christliche Themen wie Schuld, Versöhnung, Tod, Leben, Erlösung und Neuanfang sind überzeitlich und werden in Filmen und anderen Kulturproduktionen immer wieder aufgegriffen." Als Beispiele nannte er die Serien "The New Pope" und "Messiah" aus dem Jahr 2020 sowie den Film "A Hidden Life" von 2019 über den christlichen NS-Widerstandskämpfer Franz Jägerstätter.
"Timmy" war im März zunächst auf einer Sandbank vor Niendorf bei Timmendorfer Strand und später in der Wismarbucht vor der Insel Poel gestrandet. Trotz mehrerer Rettungsversuche starb das Tier.