Berlin (KNA) Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat das vor 65 Jahren geschlossene Anwerbeabkommen zwischen der Bundesrepublik und der Türkei gewürdigt. Zugleich kritisierte er am Dienstag in Berlin, dass wieder Ängste vor Fremden geschürt würden und rassistische Gewalt um sich greife. Die ...
Berlin (KNA) Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat das vor 65 Jahren geschlossene Anwerbeabkommen zwischen der Bundesrepublik und der Türkei gewürdigt. Zugleich kritisierte er am Dienstag in Berlin, dass wieder Ängste vor Fremden geschürt würden und rassistische Gewalt um sich greife.
Die Ankunft der sogenannten Gastarbeiter nannte Merz eine Erfolgsgeschichte. Deutschland sei kulturell, wirtschaftlich, wissenschaftlich und auch kulturell reicher geworden. Zugleich betonte er, dass der gesellschaftliche Fortschritt wieder verloren gehen könne. "Nutzen wir den Tag, um unsere Wachsamkeit zu schärfen", so der Kanzler. Die Angst vor dem Fremden sei ideologisch infektiös. Sie nehme eher zu als ab. Es gebe dazu ein Unwort, so Merz. Der Begriff Remigration sei ein Angriff auf das moderne Deutschland, "das wir uns aufgebaut haben".
Weiter betonte Merz, die Bundesregierung habe sich die Ordnung der Integration zur Priorität gemacht. Das bedeute auch, irreguläre Migration zu begrenzen, damit als Gesellschaft genügend Ressourcen für Kitas, Schulen und Ausbildung vorhanden seien. Es brauche ein sensibles Gespür, um zu merken, wo eine tolerante Gesellschaft überfordert werde.
Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Natalie Pawlik (SPD), kritisierte, dass auch die Nachkommen der sogenannten Gastarbeiter aus der Türkei häufig schlechtere Bildungschancen hätten. Die soziale Herkunft entscheide in Deutschland weiterhin maßgeblich über den Bildungserfolg, sagte Pawlik.
Menschen mit türkischer Familiengeschichte seien weiterhin von Vorurteilen und Diskriminierung betroffen, so Pawlik weiter. Das zeige sich etwa bei der Wohnungssuche und auf dem Arbeitsmarkt. Die aktuelle politische Stimmung im Land verunsichere außerdem Menschen, die sich zunehmend fragten, ob sie in Deutschland eine Zukunft hätten und ihre Kinder hier sicher aufwachsen lassen könnten.
Insgesamt habe sich bei der Integration seit 1961 aber einiges verbessert, sagt Pawlik. Der Zugang zu Sprach- und Integrationskursen sei heute besser, ausländische Abschlüsse würden schneller anerkannt. Deutschland verfüge inzwischen über eine etablierte Integrationsinfrastruktur, die es früher in dieser Form nicht gegeben habe. Auch die Sprachförderung sei breiter aufgestellt, etwa durch berufsbezogene Kurse, die parallel zur Arbeit besucht werden könnten.
Das Anwerbeabkommen zwischen der Bundesrepublik und der Türkei wurde am 30. Oktober 1961 unterzeichnet. Die angeworbenen Arbeiter wurden in Deutschland als "Gastarbeiter" bezeichnet. Bis zur Anwerbesperre 1973 reisten insgesamt 867.000 türkische Gastarbeiter in die Bundesrepublik Deutschland, rund 500.000 kehrten in die Türkei zurück.