Wiesbaden (KNA) Die Menschen in Deutschland bekommen so wenige Kinder wie seit 1997 nicht mehr. Mit 1,32 Kindern je Frau ist die Geburtenrate 2025 auf den niedrigsten Stand seit knapp 20 Jahren gesunken. Zuletzt sei der Wert mit 1,33 Kindern im Jahr 2006 ähnlich niedrig ausgefallen, teilte das ...
Wiesbaden (KNA) Die Menschen in Deutschland bekommen so wenige Kinder wie seit 1997 nicht mehr. Mit 1,32 Kindern je Frau ist die Geburtenrate 2025 auf den niedrigsten Stand seit knapp 20 Jahren gesunken. Zuletzt sei der Wert mit 1,33 Kindern im Jahr 2006 ähnlich niedrig ausgefallen, teilte das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Mittwoch mit. Im Vergleich zum 2024 ging die Geburtenrate demnach um 2,7 Prozent zurück.
Die von den Statistikern so genannte "zusammengefasste Geburtenziffer", auch als Geburtenrate bezeichnet, gibt die durchschnittliche Kinderzahl an, die eine Frau im Laufe ihres Lebens bekommen hat.
Das Bundesfamilienministerium erklärte dazu, auch in fast allen anderen EU-Ländern und den meisten Industrieländern weltweit sei die Geburtenrate zuletzt teils stark gesunken. Studien zeigten, dass viele Menschen ihre Familienplanung in unsicheren Zeiten verschöben. Zudem sei die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wichtiger als finanzielle Leistungen allein. Ziel der Bundesregierung sei es daher, gute Rahmenbedingungen zu schaffen, damit alle Frauen und Männer ihre Kinderwünsche umsetzen könnten.
Noch niedriger als 2025 lag die Geburtenrate Mitte der 1990er-Jahre mit einem Tiefstwert von 1,24 Kindern je Frau. "Die damals Geborenen bilden die derzeit relativ kleine Generation potenzieller Eltern", so das Statistische Bundesamt. "Die Zahl der Geburten war im Jahr 2025 infolge dieser Entwicklung auf den niedrigsten Stand der Nachkriegszeit gesunken: Nach endgültigen Ergebnissen wurden im Jahr 2025 in Deutschland 654.241 Kinder geboren."
Regional gibt es große Unterschiede. So lag die Geburtenrate im vergangenen Jahr zwischen 1,16 in Sachsen und 1,38 Kindern je Frau in Niedersachsen. Niedersachsen ist bereits seit 2018 das Bundesland mit der höchsten Geburtenhäufigkeit. Allerdings sank auch hier die Geburtenrate zum ersten Mal seit 16 Jahren unter 1,40 (2009: 1,38).
Die Geburtenrate in den östlichen Flächenländern blieb mit 1,22 Kindern je Frau geringer als in den westlichen Bundesländern mit 1,34. Im Vergleich zum Vorjahr sank die zusammengefasste Geburtenziffer 2025 außer in Hamburg (plus 0,4 Prozent auf 1,24 Kinder je Frau) in allen Bundesländern. Den stärksten Rückgang verzeichnete Mecklenburg-Vorpommern (minus 6,3 Prozent auf 1,21 Kinder je Frau).
Die Geburtenrate der Frauen mit deutscher Staatsangehörigkeit sank 2025 auf 1,20 Kinder. Ein ähnlich niedriger Wert wurde zuletzt vor knapp 30 Jahren verzeichnet (1996: 1,22). Auch bei ausländischen Frauen sank die Geburtenrate. Sie lag bei 1,78 Kindern und war damit um 3,3 Prozent geringer als im Vorjahr (1,84). "Die Geburtenhäufigkeit der ausländischen Frauen geht seit 2017 mit Ausnahme des Jahres 2021 kontinuierlich zurück", hieß es.
Mütter waren 2025 bei einer Geburt - unabhängig davon, ob es die Geburt des ersten Kindes oder eines weiteren Kindes war - im Durchschnitt 31,9 Jahre und Väter 34,8 Jahre alt. Im Vorjahresvergleich nahm das Durchschnittsalter der Eltern bei Geburt des Kindes leicht um jeweils 0,1 Jahre zu. Zwischen 1991 und 2025 nahm es bei Müttern um 4,0 Jahre (1991: 27,9 Jahre) und bei Vätern um 3,8 Jahre zu (1991: 31,0 Jahre).
Das Durchschnittsalter der Mütter bei der Geburt ihres ersten Kindes lag 2025 bei 30,5 Jahren. Die Väter waren beim ersten Kind der Mutter im Schnitt 33,3 Jahre alt. Der Altersabstand zwischen den Eltern beim ersten Kind hat sich in den vergangenen zehn Jahren von 3,2 im Jahr 2015 auf 2,8 Jahre im Jahr 2025 reduziert.
Die sogenannte endgültige Kinderzahl lässt sich aktuell für Frauen bis zum Geburtsjahrgang 1976 ermitteln. So brachten die 1976 geborenen Frauen, die 2025 mit 49 Jahren das Ende des gebärfähigen Alters erreicht haben, durchschnittlich 1,58 Kinder zur Welt. Bei den Frauen der 1960er-Jahrgänge war die endgültige Kinderzahl kontinuierlich gesunken und hatte beim Jahrgang 1968 mit 1,49 Kindern je Frau ihr historisches Minimum erreicht. Die ab Mitte der 1970er- bis Anfang der 1980er-Jahre geborenen Frauen bekamen und bekommen zwar später im Leben Kinder als die Frauenjahrgänge der späten 1960er-Jahre. Ihre zum Teil noch geschätzte endgültige Kinderzahl ist aber mit etwa 1,6 Kindern je Frau höher.