Zeitz (KNA) Zum Jahrestag der Selbstverbrennung des evangelischen Pfarrers Oskar Brüsewitz vor 50 Jahren hat der mitteldeutsche Landesbischof Friedrich Kramer vor verkürzten Deutungen gewarnt. "Ob sein selbst gewählter Feuertod politisch, religiös oder anders motiviert war, ist nicht zu bean ...
Zeitz (KNA) Zum Jahrestag der Selbstverbrennung des evangelischen Pfarrers Oskar Brüsewitz vor 50 Jahren hat der mitteldeutsche Landesbischof Friedrich Kramer vor verkürzten Deutungen gewarnt. "Ob sein selbst gewählter Feuertod politisch, religiös oder anders motiviert war, ist nicht zu beantworten", sagte er am Dienstag bei einer Gedenkveranstaltung im sachsen-anhaltischen Zeitz. "Wir sollten seine Tat nicht reduzieren auf die Tat eines Gescheiterten, nicht auf die Tat eines Verrückten, nicht auf die Idee eines Apokalyptikers."
Brüsewitz zündete sich in Amtstracht am 18. August 1976 vor der Michaeliskirche in Zeitz an. Zuvor hatte er mit einem Transparent gegen die Bildungs- und Kirchenpolitik der SED protestiert. Seinen schweren Verletzungen erlag er vier Tage später im Bezirkskrankenhaus in Halle, ohne dass ihn seine Familie besuchen durfte.
Kramer rief dazu auf, sich weiterhin anrühren zu lassen von dem, was Brüsewitz umgetrieben habe: "Seine Tat mahnt zur Eindeutigkeit. Die hat er radikal gelebt." Der Bischof räumte ein, dass sich die Kirchenleitung seinerzeit schwer mit der Tat getan habe. "Dass es keine theologischen Aspekte für diese Tat gegeben hat, die Brüsewitz motiviert haben könnten, will ich jedenfalls ausdrücklich nicht behaupten", so Kramer. Das sei damals sehr schnell Konsens gewesen, "weil eine solche Ansicht bequem war". Keiner wisse, inwieweit Brüsewitz durch Dietrich Bonhoeffers Gedanken eines "zeichenhaften Handelns" beeinflusst gewesen sei. Dass er sich damit noch am Vorabend seiner Tat beschäftigt habe, scheine aber unstrittig.
"Niemand hat das Recht, auch ich als Landesbischof nicht, die Selbstverbrennung des Pfarrers von Rippicha theologisch abzuwerten", sagte Kramer. "Wir sollten empathisch auf ihn blicken, denn dann sehen wir, dass Sterben für Oskar Brüsewitz nichts Schreckliches war, sondern eben das Gehen zum Herrn und König." Dann sei das "Signal von Zeitz" das Zeugnis seines individuellen Glaubens gewesen. "Das haben wir als Kirchenleitung noch nie so bekannt. Bis heute", so der Bischof.
Kramer erläuterte, dass manche Brüsewitz als Störenfried empfunden hätten: "Aber er wollte auch stören, er wollte aufrütteln und wecken - gegen einen Scheinfrieden und ängstliches Schweigen." Dabei habe er auch angeklagt, was ihm beklagenswert erschienen sei: "Ob Staat oder auch seine eigene Kirche und die 'lauen Christen'." Letztlich sei es dem Pfarrer um die immer aktuelle Frage gegangen, inwieweit die Kirche lautstark protestieren müsse, wenn die Menschenwürde verletzt und mit Füßen getreten werde.