Schwarzach am Main (KNA) Der langjährige Leiter des Recollectio-Hauses der Abtei Münsterschwarzach, Wunibald Müller, weist Vorwürfe gegen den Benediktinerpater Anselm Grün im Umgang mit einem Missbrauchsfall zurück. "Wer den Eindruck erweckt, dass er einem Einsatz dieses Priesters in der S ...
Schwarzach am Main (KNA) Der langjährige Leiter des Recollectio-Hauses der Abtei Münsterschwarzach, Wunibald Müller, weist Vorwürfe gegen den Benediktinerpater Anselm Grün im Umgang mit einem Missbrauchsfall zurück. "Wer den Eindruck erweckt, dass er einem Einsatz dieses Priesters in der Seelsorge nicht widersprochen hat, obwohl er davon ausgehen musste, dass dieser Priester potenziell eine Gefahr für Minderjährige sein könnte, wird Pater Anselm Grün nicht gerecht", schreibt Müller in einem Statement, das der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) vorliegt.
Hintergrund ist der aktuelle Jahresbericht der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs im Erzbistum Paderborn. Darin wird Grün wegen seines Umgangs mit einem Paderborner Priester kritisiert, der sexuelle Handlungen an einem damals 16-Jährigen eingeräumt hatte und gegen den später ein Strafbefehl erging.
Das Recollectio-Haus in der bayerischen Abtei Münsterschwarzach bietet Menschen in kirchlichen Berufen Hilfe in Krisen an. Geistliche Begleiter aus dem Kloster - darunter Anselm Grün - und psychologische Begleiter kümmern sich um die Gäste. Der Theologe und psychologische Psychotherapeut Müller hatte die Leitung bis 2016 inne, seit 2019 ist es die psychologische Psychotherapeutin Corinna Paeth. Nach ihren Angaben werden im Recollectio-Haus heute keine Menschen begleitet, die sexuellen Missbrauch begangen haben.
Nach Darstellung der Kommission hielt sich der Geistliche 1992 im Recollectio-Haus in Münsterschwarzach auf, dessen Mitgründer und geistlicher Leiter Grün ist. Bei einem Gespräch mit dem Priester und dem Paderborner Personalchef habe Grün für die Einschätzung des Priesters eingestanden, dieser sei nicht homosexuell veranlagt.
Zudem habe Grün seine Bereitschaft erklärt, den Geistlichen in das Benediktinerkloster aufzunehmen, und vorgeschlagen, ihn bis dahin in einer Gemeinde im Bistum Würzburg in der Seelsorge einzusetzen. Das Bistum Würzburg stimmte dem Einsatz dem Bericht zufolge im September 1992 zu. Der Priester war später bis 2009 im Bistum Würzburg und anschließend im Bistum Erfurt tätig. Die Abtei hatte mitgeteilt, der Einsatz des Priesters in der Seelsorge und sein Wechsel ins Bistum Würzburg sei nicht zuerst Grüns Idee gewesen.
Müller schreibt, das Recollectio-Haus sei besonders fortschrittlich gewesen: "Im Unterschied zur offiziellen Kirche, die oft über eine lange Zeit weggeschaut hat, haben Pater Anselm und wir im Recollectio-Haus uns nicht weggeduckt, sondern uns der furchtbaren Wirklichkeit sexualisierter Gewalt im Kontext der Kirche gestellt."
Keine andere kirchliche Einrichtung habe "so unerschrocken sich dafür stark gemacht, dass die offizielle Kirche endlich zuerst die Opfer sieht und das angeht, was nötig ist, um sexualisierte Gewalt in der Kirche gegenüber Minderjährigen, aber auch gegenüber Erwachsenen zu verhindern."
Man habe nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt und sich externe Expertise geholt, so Müller. "Auf diesem Hintergrund finde ich es unerträglich, dass Anselm Grün, der von Anfang an bis heute unsere Arbeit im Recollectio-Haus entscheidend mitgeprägt hat, in ein Licht gerückt wird, das ihm und seinem Einsatz gerade auch für die Opfer sexualisierter Gewalt nicht gerecht wird."