Bonn (KNA) Zum fünften Jahrestag der Hochwasserkatastrophe im Westen Deutschlands haben Spitzenvertreter aus Politik und Kirche an die Opfer der Flut erinnert. Zugleich würdigten sie am Dienstag das Engagement von Helfern und Einsatzkräften sowie die seither erbrachten Wiederaufbauleistungen. ...
Bonn (KNA) Zum fünften Jahrestag der Hochwasserkatastrophe im Westen Deutschlands haben Spitzenvertreter aus Politik und Kirche an die Opfer der Flut erinnert. Zugleich würdigten sie am Dienstag das Engagement von Helfern und Einsatzkräften sowie die seither erbrachten Wiederaufbauleistungen. In der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 hatten die Wassermassen schwere Schäden vor allem in Teilen von Nordrhein-Westfalen und von Rheinland-Pfalz verursacht. Mehr als 180 Menschen kamen ums Leben; allein im Ahrtal waren es 135.
Bei einer Gedenkstunde im nordrhein-westfälischen Landtag in Düsseldorf forderte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bessere Vorkehrungen gegen extreme Wetterereignisse. "Weder beim Kampf gegen die Ursachen solcher Katastrophen noch beim Bemühen, unser Land widerstandsfähiger gegen Hitze, Dürre und Extremwetter zu machen, sind wir, ist Deutschland, ist Europa schon da, wo wir sein müssten."
Während seines Besuch im Ahrtal sagte das Staatsoberhaupt, Schmerz und Leid der betroffenen Bevölkerung seien bis heute nicht vergessen. "Aber wenn wir hier sind, dann erinnern wir nicht nur an den Ort einer Katastrophe, sondern auch an einen Ort, der ein beeindruckendes Maß an Solidarität erfahren hat. Menschen von nah und fern sind gekommen, um zu helfen, Schutt wegzuräumen, Häuser vom Schlamm zu reinigen und, so weit das noch ging, Häuser wieder bewohnbar zu machen."
Auch der katholische Bischof von Trier, Stephan Ackermann, würdigte bei einem Gottesdienst im Altenahrer Ortsteil Altenburg Solidarität und Hilfsbereitschaft. Die evangelische Superintendentin Claudia Müller-Bück sagte bei der Gedenkstunde im nordrhein-westfälischen Landtag, das Wort "Zuversicht" sei unmittelbar nach der Flut zu einem beliebten Hashtag in den Sozialen Medien geworden. "Bis heute ist es das Motto für viele, die mit den Folgen der Flut zu kämpfen haben. Zuversicht und Zusammenhalt. Wir haben erfahren, wie wichtig es ist, füreinander da zu sein."
Im Ahrtal klang der Gedenktag mit einer zentralen Veranstaltung mit anschließendem ökumenischen Gottesdienst auf dem Marktplatz in Ahrweiler aus. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder, sagte, der Staat habe in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli 2021 das Versprechen nicht eingehalten, seine Bürgerinnen und Bürger zu schützen. "Der Staat hat in dieser Frage und dieser Nacht versagt", fügte der CDU-Politiker unterbrochen von Applaus hinzu. "Dafür bitte ich als Ministerpräsident um Entschuldigung."
Bundeskanzler Friedrich Merz betonte, die Katastrophe habe Einfluss genommen auf zahlreiche Maßnahmen und Gesetze, um Deutschland besser auf Naturkatastrophen vorzubereiten. "Kein Mensch, keine Stadt, keine Region darf und soll in unserem Land allein bleiben mit der Furcht vor Katastrophen und Naturgewalten, mit der Furcht vor den Folgen des Klimawandels, die wir erleben."
Der CDU-Politiker dankte zugleich den vielen haupt- und ehrenamtlichen Helfern für ihren Einsatz. "Heute ist ein schwerer Tag, aber es ist auch ein Tag, der zeigt, was Ihre Region sein kann, was unser Land auch sein kann: Ein Land, in dem wir uns die Hände reichen."
Am Mittwoch erinnert die Europäische Union an alle Opfer der Klimakrise. Der 15. Juli ist seit drei Jahren EU-Gedenktag.