Berlin (KNA) Der Familienbund der Katholiken sieht eine Abschaffung des Ehegattensplittings kritisch. Ein solcher Schritt würde viele Haushalte finanziell hart treffen und die Care-Arbeit noch stärker abwerten, erklärte Familienbund-Präsident Ulrich Hoffmann am Montag in Berlin. Partnerschaf ...
Berlin (KNA) Der Familienbund der Katholiken sieht eine Abschaffung des Ehegattensplittings kritisch. Ein solcher Schritt würde viele Haushalte finanziell hart treffen und die Care-Arbeit noch stärker abwerten, erklärte Familienbund-Präsident Ulrich Hoffmann am Montag in Berlin. Partnerschaftliche Verantwortung dürfe nicht nur in Krisenzeiten zählen, sondern müsse im Alltag durch stabile Rahmenbedingungen abgesichert sein.
Beim Ehegattensplitting wird das Einkommen beider Ehe- oder Lebenspartner gemeinsam versteuert. Dies lohnt sich, wenn einer der beiden - meistens ist es die Frau - deutlich weniger verdient. Erweitert die Frau ihre Arbeitszeit, schrumpft der Splittingvorteil, von ihrem höheren Verdienst bleibt netto weniger übrig. Nach Ansicht vieler Ökonomen festigt das Ehegattensplitting die Benachteiligung von Frauen auf dem deutschen Arbeitsmarkt.
Hoffmann nannte es nicht richtig, dass durch das Splitting Alleinverdienerehen begünstigt würden. Ein Splittingvorteil existiere aber nicht, da durch das Splitting alle verheirateten Paare mit gleichem Haushaltseinkommen gleich viel Steuern zahlten, unabhängig davon, wie sich ihr Einkommen aufteile. Würde man stattdessen individuell besteuern, würden Ehepaare mit demselben Gesamteinkommen unterschiedlich stark belastet. Das wäre das Gegenteil von Steuergerechtigkeit, wie es hieß.
Schieflagen entstünden nicht durch das Splitting, sondern durch Minijobs und eine ungünstige Steuerklassenkombination 3/5 mit ihrer hohen Abgabenbelastung für Zweitverdienerinnen. Wenn sich Mehrarbeit "nicht lohnt", liege das meist an geringen Löhnen, hohen Steuern und Sozialabgaben oder auch an fehlender Kinderbetreuung, unzureichender Pflegeinfrastruktur und schlechten Arbeitsbedingungen.
Zuletzt hatte Bundesfamilienministerin Karin Prien als führende CDU-Politikerin eine Reform befürwortet und dafür Rückhalt aus der SPD erhalten. Auch die Grünen befürworten eine Abschaffung. Der Sozialverband Deutschland (SoVD) erklärte, das Ehegattensplitting gehöre in die "politische Mottenkiste".