München (KNA) Die Tradition des Kartenspielens in bayerischen Gaststätten soll nicht aussterben. "Schafkopfen verbindet Generationen und gehört zu Bayern wie die Brotzeit", ist der Bayerische Landesverein für Heimatpflege überzeugt. Deshalb startet er in diesem Monat die Kampagne "Schafkopf ...
München (KNA) Die Tradition des Kartenspielens in bayerischen Gaststätten soll nicht aussterben. "Schafkopfen verbindet Generationen und gehört zu Bayern wie die Brotzeit", ist der Bayerische Landesverein für Heimatpflege überzeugt. Deshalb startet er in diesem Monat die Kampagne "Schafkopffreundliches Wirtshaus".
Eine wetterfeste Plakette vor der Tür soll künftig signalisieren, dass der Wirt diese Form bayerischer Geselligkeit schätzt - und die benötigten Spielkarten bereitstellt. Interessierte Gastronomen können sich außerdem auf der neuen Internetseite www.schafkopfwirt.de registrieren lassen. "Hoffentlich melden sich viele Wirte an", sagt der Geschäftsführer des Landesvereins, Rudolf Neumaier. "Es gibt viele Kartler, die sich zum Schafkopfen treffen wollen und einfach keine Bleibe finden."
Die Kampagne startet mit einem Schafkopfturnier am 21. November in der Gaststätte von Schloss Odelzhausen. Erwartet werden dazu rund 60 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Schirmherr und Initiator ist der Dachauer Landrat Stefan Löwl (CSU), selbst begeisterter Schafkopfer. Im Januar bietet der Landesverein zudem in München einen Kurs an, bei dem sich das Schafkopfen an zwei Abenden lernen lässt.
"Man kann gleichzeitig essen, trinken und Wichtiges besprechen", preist Löwl die Vorzüge des Schafkopfens im Wirtshaus. "Man redet über Gott und die Welt und kartelt nebenher." Dadurch sei die Gesprächskultur eine ganz andere. Das nutze er auch für Treffen mit Politikern, und zwar nicht nur aus der eigenen Partei.
Der Landrat sagte, er habe "hin und wieder mitbekommen, dass man die Kartler nicht mehr haben möchte" im Gasthaus. Das müsse natürlich jeder Wirt selbst entscheiden. Sie sollten aber einen potenziellen Werbeeffekt einkalkulieren: "Wer eine Gaststätte vom Karteln kennt, der geht vielleicht für eine Familienfeier oder am Sonntag zum Essen hin."
Schafkopf ist ein vergleichsweise junges Kartenspiel unbekannter Herkunft, das erst im 19. Jahrhundert seine heutige Form gewann. "Schafkopf ist nicht an Fürstenhöfen, nicht in vornehmen Salons kultiviert worden, sondern in Wirtshäusern und Schenken, als Privatvergnügen der 'kleinen Leute'", so erklärt es der Bamberger Volkskundler und oberfränkische Bezirksheimatpfleger Günter Dippold.
Einiges spricht dafür, dass es schon länger in Franken gespielt wird als in Altbayern und Schwaben. So erschien 1884 das erste Regelwerk in Würzburg. Einen Sportstatus wie etwa Skat oder gar Schach hat es nie erreicht. "Schafkopf ist laut und streitbar", so Dippold. "Wehe dem, der nicht im rechten Moment sticht oder schmiert."
In manchen Wirtshäusern kündet ein Bilderrahmen mit den acht höchsten Schafkopfkarten, allen vier Obern und Untern, vom scheinbar größten Spielglück. Überregionale Schlagzeilen machte indes 1879 ein Staffelsteiner, der sein Herzsolo gewann - ohne einen einzigen Trumpf auf der Hand.
Fast 100 Jahre später wurde ebenfalls in Bad Staffelstein, im Gottesgarten am Obermain, so lange in des Teufels Gebetbuch geblättert wie nie zuvor und danach: Fünf oberfränkische Kartler spielten 408 Stunden ohne Unterbrechung Schafkopf. Weltrekord.