Graz/Neuss (KNA) Selbstfürsorge muss nach Worten einer Psychologin nicht unbedingt Spaß machen: "Das kann bedeuten, Vorsorgetermine beim Arzt wahrzunehmen oder rechtzeitig ins Bett zu gehen", sagte Fee Kalter im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Gemeinsam mit Nese Oktay ...
Graz/Neuss (KNA) Selbstfürsorge muss nach Worten einer Psychologin nicht unbedingt Spaß machen: "Das kann bedeuten, Vorsorgetermine beim Arzt wahrzunehmen oder rechtzeitig ins Bett zu gehen", sagte Fee Kalter im Gespräch mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Gemeinsam mit Nese Oktay-Gür hat sie das Buch "Nicht immer alles geben" veröffentlicht; beide sind Gründerinnen der "NAP!"-GmbH für gesunde Arbeitskultur. Zum Zahnarzt zu gehen, ermögliche ein gesundes Leben und Älterwerden - auch wenn man sich selten darauf freue.
Wer diesen Perspektivwechsel zulasse, finde auch wieder mehr Kontakt zu sich selbst, fügte Kalter hinzu. "Wenn Selbstfürsorge dagegen zu einem Programm wird, zu einer Optimierungsaufgabe, dann koppelt man es wiederum an den Wert, den man sich selbst zuschreibt." Betroffene hätten oft das Gefühl, sich Ruhepausen oder einen Spa-Besuch erst verdienen zu müssen: "Der Selbstwert baut bei ihnen häufig auf nur einer Säule auf - nämlich dem Erbringen von Leistung."
Ein anderer wichtiger Aspekt sei, Dinge einfach aus Freude zu tun, ohne ein messbares Ziel oder den Anspruch, etwas besonders gut zu machen. "Dazu gehört auch, sich den Raum für Langeweile zu geben. Sich den Raum zu geben, die Zeit, die gerade verstreicht, einmal als Lücke wahrzunehmen und sich nicht selbst sofort mit Instagram und Co. zu beschallen." Auf den Sozialen Plattformen sehe man schließlich sofort wieder, wie toll anderen Leuten vermeintlich alles gelinge, warnte die Autorin.
Oktay-Gür beobachtet, dass Menschen sich mitunter auch von Tracking-Apps irritieren lassen. So habe eine Ratsuchende ihr berichtet, dass sie laut ihrer Fitness-Uhr häufig aufwache, also offenbar eine Schlafstörung habe. Auf Nachfrage habe sich herausgestellt, dass die Frau selbst das Gefühl hatte, gut zu schlafen. "Manchmal lohnt sich daher die Frage, was wir mit diesem Wissen eigentlich machen, mit dieser Selbstanalyse."
Viele Menschen hätten inzwischen den Anspruch, alles zu optimieren: aufmerksamer zu sein, mehr Freundinnen und Freunde zu treffen, sich "perfekt" zu ernähren. "Häufig belastet dann vor allem die Erkenntnis, dass all das nicht gelingt", sagte Oktay-Gür.