Berlin (KNA) Seit Freitag gelten europaweit neue Regeln im Umgang mit Flüchtlingen. Das Gemeinsame Europäische Asylsystem (Geas) soll Asylverfahren beschleunigen und vereinheitlichen und striktere Grenzkontrollen beinhalten. Hilfswerke und Kirchen bewerten die Reform allerdings kritisch und f ...
Berlin (KNA) Seit Freitag gelten europaweit neue Regeln im Umgang mit Flüchtlingen. Das Gemeinsame Europäische Asylsystem (Geas) soll Asylverfahren beschleunigen und vereinheitlichen und striktere Grenzkontrollen beinhalten. Hilfswerke und Kirchen bewerten die Reform allerdings kritisch und fürchten gravierende Auswirkungen auf Asylsuchende.
"Der neue EU-Asyl- und Migrationspakt ist ein Pakt gegen Geflüchtete", sagte die Präsidentin des evangelischen Hilfswerks Brot für die Welt, Dagmar Pruin. Statt Asylbewerbern effektiver Schutz zu gewähren, werde er ihnen durch die Reform praktisch verweigert.
Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) kritisiert, dass das System zu sehr auf die Reduzierung von Asylzahlen ausgerichtet sei. "Europäische Werte weichen dabei vermeintlichen Effizienzargumenten", erklärte ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp. Auch der Umgang mit Menschen aus Herkunftsstaaten, die eine Asylanerkennungsquote von unter 20 Prozent haben, etwa aus Indien, Pakistan, Marokko oder Georgien, sei zu verurteilen. "Ich halte es für unangemessen, dass Familien mit minderjährigen Kindern in Grenzverfahren an Außengrenzen und Flughäfen festgehalten werden können", betonte Stetter-Karp. Von Europa müsse globale Solidarität ausgehen, sonst würden Fluchtursachen nur verschärft oder neu geschaffen.
Die ZdK-Sprecherin für Internationales, Marie von Manteuffel, sieht in dem im Geas enthaltenen Solidaritätsmechanismus zwar einen richtigen Ansatz, doch sei er nicht ambitioniert genug formuliert. Stattdessen würden nur mehr Geflüchtete Schnellverfahren durchlaufen. "Das reguläre Asylverfahren verliert an Bedeutung. Auch wenn die unentgeltliche Beratung und Rechtsvertretung ausgeweitet werden soll, besteht in den Schnellverfahren de facto geringerer Rechtsschutz und ein höheres Risiko für Fehlentscheidungen", warnt von Manteuffel.
Ohne direkten Bezug zum Geas äußerte sich auch Papst Leo XIV. am Freitag erneut zur Flüchtlingsthematik. Zum Abschluss seines Spanienbesuchs auf der Insel Teneriffa rief er dazu auf, Migranten so aufzunehmen, dass "der Fremde von gestern der Bruder und Nachbar von heute sein kann". Politik und Gesellschaft in Europa dürften angesichts der Ertrunkenen auf den Migrationsrouten nicht gleichgültig zu bleiben. "Jedes Leben, das auf diesen Routen verloren geht, ist ein Versagen der Menschheitsfamilie", so der Papst.
Derweil meldete die EU-Grenzschutz-Agentur Frontex am Freitag einen deutlichen Rückgang der unerlaubten Migration. Bis Ende Mai deckten Behörden fast 39.000 unerlaubte Einreisen auf, fast 40 Prozent weniger als im Vorjahr. Damit sei die irreguläre Migration den fünften Monat in Folge zurückgegangen. Den deutlichsten Rückgang gab es auf der westafrikanischen Route zu den Kanarischen Inseln, die der Papst in den vergangenen beiden Tagen besucht hatte: Dort kamen 71 Prozent weniger Migranten an, insgesamt 3.175.