Brüssel/Berlin (KNA) Nach den Auseinandersetzungen zwischen EU-Staaten über die Migrationskrise in Ceuta hat der EU-Innenministerrat nun Einigkeit betont. Die EU stehe geschlossen hinter Spanien und sei bereit, das Land zu unterstützen, sagte der irische Migrationsminister Jim O'Callaghan am ...
Brüssel/Berlin (KNA) Nach den Auseinandersetzungen zwischen EU-Staaten über die Migrationskrise in Ceuta hat der EU-Innenministerrat nun Einigkeit betont. Die EU stehe geschlossen hinter Spanien und sei bereit, das Land zu unterstützen, sagte der irische Migrationsminister Jim O'Callaghan am Dienstag; sein Land hält momentan den Ratsvorsitz.
Weiter teilte er nach dem digitalen Treffen mit: "Wir würdigen Spaniens rasche Reaktion auf die Lage in Ceuta und sprechen unser tiefstes Beileid für den tragischen Verlust von Menschenleben aus." Die EU-Außengrenzen lägen "in unserer gemeinsamen Verantwortung"; und die Migrationsfrage erfordere eine einheitliche europäische Antwort.
Eine deutliche Mehrheit der 27 Mitgliedstaaten hatte die irische Ratspräsidentschaft zu einer außerordentlichen Sitzung aufgefordert, darunter auch Deutschland. Kritik hatte es in den vergangenen Tagen am spanischen Grenzschutz sowie an migrationspolitischen Entscheidungen des Landes gegeben. Spaniens Regierung hatte ihrerseits die Reaktion mancher EU-Länder kritisiert.
Ende vergangener Woche erreichten binnen kurzer Zeit rund 72.000 Migranten von Marokko aus die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta - schwimmend und über die Landgrenze. Der Großteil von ihnen hat die Stadt mit etwa 84.000 Einwohnern inzwischen wieder verlassen.
Nach jüngsten Angaben von EU-Migrationskommissar Magnus Brunner sind mindestens 75 Menschen beim Fluchtversuch gestorben. Er betonte erneut, kein Migrant habe das europäische Festland erreicht. Ceuta ist nicht Teil des Schengen-Raums, in dem Reisen ohne Kontrollen möglich ist.
Brunner, der ebenfalls an der Ratssitzung teilnahm, machte Schmuggelnetzwerke und Desinformationskampagnen in den Sozialen Medien für den Druck auf die EU-Außengrenze verantwortlich. Es habe eine gezielte Instrumentalisierung der Migranten gegeben.
Kriminelle hätten die Menschen durch Falschinformationen im Internet zu der gefährlichen Reise getrieben, so der EU-Kommissar. Der Innenministerrat wie auch Brunner betonten die Notwendigkeit, weiter gegen Menschenschmuggel vorzugehen, die EU-Grenzen zu stärken sowie engere Partnerschaften mit Drittländern zu fördern.
Es brauche zudem eine bessere gemeinsame Vorbereitung auf solche Krisensituationen, so die Innenminister laut Mitteilung. Dies könne unter anderem durch eine Weiterentwicklung von Frühwarnsystemen erreicht werden, etwa durch das Auswerten Sozialer Medien.
Auch die rasche Kommunikation sollte weiter gestärkt werden und einheitlicher sein, vor allem, um externen Akteuren entgegenzuwirken, die sich an ausländischer Informationsmanipulation und Einflussnahme beteiligen. Brunner verwies auf laufende Ermittlungen der spanischen Behörden und von Europol, wer hinter den Falschinformationskampagnen stecke.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) erklärte nach dem digitalen Treffen, die Situation in Ceuta verdeutliche die volatile Migrationslage. Alle EU-Innenminister seien sich einig, dass das neue Gemeinsame Europäische Asylsystem von allen Mitgliedsstaaten umfänglich gelebt werden müsse, um die illegale Migration weiter zurückzudrängen.
Als konkrete Maßnahmen nannte Dobrindt den Ausbau der EU-Außengrenzen, auch mit physischen Barrieren, die Stärkung von Frontex, die Einrichtung von Return Hubs und den Kampf gegen Schleuserbanden.