München (KNA) Jonas Hummels (36), früherer Profifußballer und Filmemacher, sieht Missbrauch als "sehr großes Problem" im Jugendfußball. Vereine und Verbände täten nicht genug für den Kinderschutz, sagte er im Interview der "Süddeutschen Zeitung". "Die meisten haben kaum Ressourcen und s ...
München (KNA) Jonas Hummels (36), früherer Profifußballer und Filmemacher, sieht Missbrauch als "sehr großes Problem" im Jugendfußball. Vereine und Verbände täten nicht genug für den Kinderschutz, sagte er im Interview der "Süddeutschen Zeitung". "Die meisten haben kaum Ressourcen und sind froh, wenn überhaupt Trainer da sind. Aber dass Trainer, Eltern und Kinder eine Schulung machen, um für das Problem sensibilisiert zu werden, ist unerlässlich."
Viele Menschen wollten nicht wahrhaben, dass im Fußball auch solche Dinge passieren, fügte Hummels hinzu. Ihm gehe es nicht um Panikmache: "Nicht jedes Kind, das Fußball spielt, wird Opfer von Übergriffen", betonte er, und: "Fußball ist ein superschöner Sport." Es sei aber auch ein Raum, in dem Missbrauch stattfinden könne - und diese Tatsache sei bislang weniger realisiert worden als in anderen Sportarten.
Ausgangspunkt von Hummels' Doku "Tatort Jugendfußball", die im ZDF zu sehen ist, ist der Fall eines Beraters, den er persönlich erlebte und der minderjährige Spieler intim berührt haben soll. "Wir haben in der Kabine darüber gesprochen, was geschehen sein soll. Ehrlicherweise haben wir vor allem Witze gemacht", sagte der Ex-Profi. Später habe er erfahren, dass viele ähnliche Erfahrungen gemacht oder davon gehört hätten.
"Ich wusste natürlich, dass er das nicht durfte", so Hummels. "Ich habe mich lange gefragt, warum ich damals nichts gesagt habe. Es ist schwierig, damit klarzukommen, dass ich nichts gesagt habe. Aber es zeigt auch, wie wenig Aufklärung zu dem Thema stattgefunden hat. Ich würde behaupten, dass ich ein mündiger Fußballprofi war. Wenn selbst ich nichts unternommen habe, macht es schon gar kein Spieler, der von einem Berater abhängig ist."
Oft seien die Täter nicht "der böse Wolf", fügte der Filmemacher hinzu, sondern "nette, charismatische, hilfsbereite Leute". Es gehe nicht um einen Generalverdacht, aber um Aufmerksamkeit, etwa wenn eine erwachsene Person gezielt die Nähe junger Menschen suche, "schmeichelt, Komplimente macht oder Geschenke verteilt. Ein 29-Jähriger muss keinen 13-Jährigen zum Fußballschauen nach Hause einladen."