Berlin (KNA) Mehrere Umweltverbände fordern von der Bundesregierung mehr Elan beim Klimaschutz. Wenige Tage vor der Kabinettsklausur auf Schloss Neuhardenberg in Brandenburg kritisierten sie am Wochenende Rückschritte und Blockaden. Unterdessen gewinnt das Thema in der Bevölkerung laut einer ...
Berlin (KNA) Mehrere Umweltverbände fordern von der Bundesregierung mehr Elan beim Klimaschutz. Wenige Tage vor der Kabinettsklausur auf Schloss Neuhardenberg in Brandenburg kritisierten sie am Wochenende Rückschritte und Blockaden. Unterdessen gewinnt das Thema in der Bevölkerung laut einer Umfrage an Dringlichkeit - angesichts eines von Hitze, Dürre und Waldbränden geprägten Sommers.
Am Samstag hatte Bundeskanzler Friedrich Merz die Gemeinde Hürtgenwald nahe Aachen besucht. Dort hatte ein Feuer auf einer Fläche von rund 300 Hektar gewütet, der größte Waldbrand in der Geschichte Nordrhein-Westfalens.
Solche Ereignisse würden aller Voraussicht nach zunehmen, sagte Merz. "Ich will allen Leugnern des Klimawandels sagen: Schauen Sie sich das genau an, was hier passiert ist. Das ist der Klimawandel." Der Kanzler fügte hinzu: "Wir werden alles tun, um den Klimawandel zurückzudrängen, aber wir müssen auch mit dem Klimawandel leben."
Am Dienstag und Mittwoch trifft sich das Kabinett zur Klausursitzung. Dort soll es auch um den Umgang mit Trockenheit, Waldbrandgefahr und Klimafolgen gehen.
"Die Bundesregierung darf nicht weiter auf der Bremse stehen, sondern muss die dringend notwendigen Klimaschutzmaßnahmen und die Abkehr von fossilen Strukturen endlich ambitioniert und konsequent vorantreiben", forderte die Co-Leiterin Klimaschutz und Energiepolitik beim WWF, Vanessa Klocke.
Wer beim Ausbau der erneuerbaren Energien bremse, das Aus für Verbrennermotoren angreife und neue Gaskraftwerke baue, betreibe eine Politik, "die an der Zukunftsfähigkeit des Landes vorbei geht", sagte der Leiter Politik bei Greenpeace, Georg Kössler, der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
Dieser Sommer habe in Deutschland bisher mehr als 14.000 Menschen das Leben gekostet, so die Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Umwelthilfe Barbara Metz. "Wenn Politiker jetzt noch behaupten, sie können das Wetter nicht beeinflussen, reden sie sich aus der Verantwortung."
Ihr Amtskollege Jürgen Resch forderte konkrete Maßnahmen wie ein Tempolimit und das Ende der milliardenschweren Förderung fossiler Dienstwagen. "Weil die Bundesregierung ihre gesetzlichen Pflichten weiterhin bricht, treiben wir den Klimaschutz auch vor Gericht voran", so der Vertreter der Deutschen Umwelthilfe. "Für den Schutz von Mooren und Wäldern haben wir vor Gericht bereits 4,7 Milliarden Euro von der Bundesregierung erstritten und mit durchgesetzt, dass 2.000 neue Windräder für die Energiewende ausgeschrieben werden."
Unterdessen stößt die SPD mit ihrer Forderung, Klimaanpassung und Naturschutz als Gemeinschaftsaufgabe von Bund, Ländern und Kommunen zu definieren, nicht nur bei Umweltverbänden auf Zustimmung. Das könne die finanziellen Spielräume der Kommunen erhöhen, sagte der Präsident des Deutschen Städtetags, Burkhard Jung, am Wochenende der "Neuen Osnabrücker Zeitung".
Zugleich plädierte der SPD-Politiker und Leipziger Oberbürgermeister für mehr Grün in den Städten und ein Umdenken in der Verkehrsplanung. "Sechsspurige Straßen in Städten können nicht mehr länger die Lösung sein."
In der Bevölkerung gewinnt die Klimakrise nach dem Hitzesommer offenbar an Dringlichkeit. Das geht aus einer am Freitag veröffentlichten YouGov-Umfrage für die KNA hervor.
Demnach sprechen sich 53 Prozent der Befragten für mehr Grünflächen und Bäume in Städten aus. 50 Prozent fordern zudem einen besseren Hitzeschutz für Pflegeheime und andere Einrichtungen für besonders gefährdete Menschen; 37 Prozent sind für mehr Schattenplätze und öffentliche Trinkwasserstellen, 35 Prozent für verbesserten Hitzeschutz an Schulen und Kindergärten.