Bonn (KNA) Die deutsch-iranische Journalistin und Menschenrechtsaktivistin Daniela Sepehri warnt vor einer zunehmenden Repression gegen Christen und andere religiöse Minderheiten im Iran. Die Protestbewegung gegen das iranische Regime, die seit Jahrzehnten immer wieder aufflammt und zu Massenpr ...
Bonn (KNA) Die deutsch-iranische Journalistin und Menschenrechtsaktivistin Daniela Sepehri warnt vor einer zunehmenden Repression gegen Christen und andere religiöse Minderheiten im Iran. Die Protestbewegung gegen das iranische Regime, die seit Jahrzehnten immer wieder aufflammt und zu Massenprotesten und zivilem Ungehorsam führt, ziehe sich über alle ethnischen und religiösen Gruppen hinweg, so Sepehri. Der Krieg zwischen Iran und den USA führe aktuell dazu, dass ethnisch und religiös marginalisierte Gruppen zu Sündenböcken gemacht werden, darunter Christen und Angehörige des Bahai-Glaubens.
In ihrem aktuellen Buch "Wenn ihr wegseht, werden wir getötet", das in der vergangenen Woche im Penguin-Verlag erschienen ist, kritisiert Sepehri die mangelnde Solidarität in Deutschland mit der Menschenrechtsbewegung im Iran. Von Kirchen und anderen christlichen Akteuren erwarte sie Solidarität mit den verfolgten Christen, sagte Sepehri der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).
Zwar sei die Religionsfreiheit zumindest für armenische und assyrische Christen in der iranischen Verfassung festgehalten, berichtet die Autorin. "Da steht aber auch, dass Männer und Frauen gleichberechtigt sind, und das hat auch nichts mit der Realität zu tun." So dürften Christen im Iran nicht konvertieren, missionieren oder auch nur mit muslimischen Iranern über das Christentum sprechen. Auch Gottesdienste in der Landessprache Farsi abzuhalten, sei verboten. Muslimen, die konvertieren, drohen lange Haftstrafen, so Sepehri weiter.
Dennoch gebe es ihrer subjektiven Wahrnehmung nach immer mehr Konvertiten: "Immer mehr Menschen wenden sich vom Islam ab, weil sie sehen, was die Auslegung des iranischen Regimes mit der Bevölkerung macht." Die Menschen entscheiden sich Sepehri zufolge dann entweder für den Atheismus oder sie konvertieren. "Hier nehme ich vor allem Konvertierungen zum Christentum wahr", erklärt die Deutsch-Iranerin, deren Vater selbst einst zum Christentum konvertiert ist.
Dabei gebe es Menschen, die ausschließlich aus politischen Gründen konvertieren, um ihren Widerstand auszudrücken, aber auch Menschen, die aus religiösen Gründen konvertieren. Allen gemein sei aber, dass sie sich der politischen Auswirkungen bewusst seien: "Auch aus religiösen Gründen zu konvertieren, ist in einem autoritären System ein politischer Schritt, weil Religion dort keine Privatsache ist."
Sepehri berichtet, dass Menschen, die im Iran in Hauskirchen zusammenkommen, um zu beten und Kirchenlieder zu singen, wegen "Versammlung und Verschwörung gegen die nationale Sicherheit" angeklagt werden können. Wie viele Christen es im Iran genau gebe und wie sich der Trend beim Konvertieren tatsächlich entwickle, könne man deshalb nicht sicher sagen, erklärt die Autorin: "Es gibt Angaben, etwa vom christlichen Hilfswerk Open Doors, dass knapp ein Prozent der Iraner Christen sind. Es ist aber sehr schwer zu messen, weil man sich nicht offen zum Christentum bekennen kann. Die iranische Christenwelt ist aber relativ vernetzt, und da sehen wir, dass das Christentum an Popularität gewinnt."
Die Gründe für die Popularität seien sehr individuell, so Sepehri weiter. Sie kenne viele Christen, die aus dem Iran nach Deutschland geflüchtet seien und zu denen vor allem die biblische Geschichte vom verlorenen Sohn spreche: "Die Menschen haben hier das Gefühl, zu einer Religion zurückkehren zu dürfen, vor der man keine Angst mehr haben muss. Dein Leben lang hast du im Iran gelernt, Angst vor Religion zu haben, weil das Regime das so auslegt." Im Christentum finden diese Menschen Sepehri zufolge Ruhe und Frieden.