Würzburg (KNA) Der Katholikentag in Würzburg ist am Samstag von Debatten über Kirchenreformen, gesellschaftliche Polarisierung und den Umgang mit queeren Menschen geprägt worden. Führende Vertreter aus Kirche und Politik warnten vor Extremismus, mahnten mehr gesellschaftlichen Zusammenhalt ...
Würzburg (KNA) Der Katholikentag in Würzburg ist am Samstag von Debatten über Kirchenreformen, gesellschaftliche Polarisierung und den Umgang mit queeren Menschen geprägt worden. Führende Vertreter aus Kirche und Politik warnten vor Extremismus, mahnten mehr gesellschaftlichen Zusammenhalt an und rangen zugleich um den künftigen Reformkurs der katholischen Kirche in Deutschland.
Besondere Aufmerksamkeit erhielt dabei der Besuch des vatikanischen Kardinals Mario Grech. Der Generalsekretär der Weltsynode, des weltweiten Reformprozesses der katholischen Kirche, überbrachte den Segen des Papstes und warb für eine "Symphonie der Gemeinschaft" in der Kirche. Grech betonte, Synodalität dürfe nicht als Machtkampf oder bloße Entscheidung nach dem Mehrheitsprinzip verstanden werden, sondern als gemeinsames Hören auf den Heiligen Geist.
Zugleich rückte auch der Konflikt um den deutschen Synodalen Weg und die geplante Synodalkonferenz erneut in den Mittelpunkt. In dem Gremium sollen Bischöfe und Laien künftig gemeinsam über wichtige Zukunftsfragen beraten und auch entscheiden. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, zeigte sich zuversichtlich, dass der Vatikan dem Vorhaben letztlich zustimmen werde. "Es geht voran, aber es braucht etwas Zeit", sagte er. Dass eine Entscheidung aus Rom noch auf sich warten lasse, sei nicht ungewöhnlich und dürfe nicht falsch interpretiert werden.
Die Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Irme Stetter-Karp, warnte dagegen vor einem möglichen Stopp aus dem Vatikan. Ein solches Signal wäre für die Kirche in Deutschland "katastrophal", sagte sie. Zugleich erhob sie schwere Vorwürfe gegen die katholische Kirche insgesamt: "Die Art, wie die katholische Kirche verfasst ist, hat leider das Patriarchat nicht verlassen." Reformen etwa bei Frauenrechten oder der Sexualmoral stießen deshalb auf erbitterten Widerstand.
Wilmer verwies unterdessen auf Veränderungen beim kirchlichen Arbeitsrecht. Diese seien doch ein Erfolg des Reformdialogs Synodaler Weg: "Die katholische Kirche schaut nicht mehr ins Schlafzimmer", sagte der Hildesheimer Bischof - auch mit Blick auf den Umgang mit queeren Beschäftigten. Mit dem englischen Wort queer bezeichnen sich Menschen, die nicht heterosexuell sind oder deren geschlechtliche Identität nicht mit gesellschaftlichen Rollenbildern übereinstimmt.
Auch die Sorge um die Stabilität der Demokratie zog sich durch viele Debatten des Tages. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) warnte vor gesellschaftlicher Spaltung und einer Radikalisierung durch Soziale Medien. "Ein bisschen mehr zu reflektieren, dass der andere vielleicht nicht völlig Unrecht hat, könnte uns in der Gesellschaft helfen", sagte Söder. Mit Blick auf politische Instabilität mahnte er: "Wenn jetzt wieder eine demokratische Regierung scheitert, aus welchen Gründen auch immer, dann gehen wir den Weimarer Weg."
Der Augsburger Bischof Bertram Meier warnte vor einer politischen Vereinnahmung des Christentums durch extreme Kräfte. "Extremismus und Christentum sind keine tragfähige Allianz", sagte er. Der Münchner Kardinal Reinhard Marx sprach von einer historischen Ironie: Heute müsse die Kirche die westliche Demokratie verteidigen.
Der Limburger Bischof Georg Bätzing forderte mehr selbstloses Handeln in Kirche und Gesellschaft. "Selbstlosigkeit sollte oberste Maxime sein: Bring dich ein und schau nicht zuerst, was du selbst davon hast."
Kontrovers diskutiert wurde auch die Rolle der Kirche in politischen Debatten. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) forderte, die Kirchen sollten sich stärker auf Glauben und Orientierung konzentrieren statt auf alltägliche politische Stellungnahmen. Kirche dürfe nicht "eine weitere NGO" werden.
Außenpolitische Akzente setzte der frühere luxemburgische Außenminister Jean Asselborn. Er forderte beim Katholikentag eine Zwei-Staaten-Lösung im Nahost-Konflikt: "Wir kommen nur raus aus diesem ganzen Debakel, wenn auch die Palästinenser ihr Recht auf einen eigenen Staat umsetzen können." Zugleich sprach er sich für ein stärker föderales Europa bis hin zu "Vereinigten Staaten von Europa" aus.
Der 104. Deutsche Katholikentag endet am Sonntag mit einem großen Abschlussgottesdienst.