Bonn (KNA) Angesichts der Kriege und Konflikte weltweit haben die christlichen Kirchen in Deutschland zu Ostern zum Engagement für Frieden und Versöhnung aufgerufen. Wegen Kriegen und Krisen gingen an den Feiertagen nach Veranstalterangaben auch mehrere Tausend Menschen bei bundesweit über 12 ...
Bonn (KNA) Angesichts der Kriege und Konflikte weltweit haben die christlichen Kirchen in Deutschland zu Ostern zum Engagement für Frieden und Versöhnung aufgerufen. Wegen Kriegen und Krisen gingen an den Feiertagen nach Veranstalterangaben auch mehrere Tausend Menschen bei bundesweit über 120 Ostermarsch-Aktionen auf die Straßen.
"Ostern ist eine Rebellion gegen den Tod", sagte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer. Die Auferstehung sei eine "skandalöse Idee; man muss schon ein wenig verrückt sein, um das zu behaupten." Sie sei eine Gegenposition zu Hoffnungslosigkeit, so der Hildesheimer Bischof in seiner Osterpredigt. Die christliche Botschaft widerspreche der Vorstellung, dass das Leben mit dem Tod ende. Wilmer, der im Juni als Bischof nach Münster wechselt, ermutigte Christen, auch in schwierigen Lebenslagen an dieser Hoffnung festzuhalten.
Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Bischöfin Kirsten Fehrs, bezeichnete die Osterbotschaft als Quelle von Hoffnung und Halt. Sie bekräftigte "die Zuversicht, dass das Leben siegt, inmitten all der Kriege und des Elends dieser Tage".
Diese Botschaft gelte auch für persönliche Niederlagen: "Ostern richtet den Blick darauf, dass wir wieder aufgerichtet werden, auch in den leisen Nöten, bei Einsamkeit, Angst oder Überforderung. Schon darüber sprechen zu können, lässt oft den schweren Stein von der Seele rollen und ermöglicht ein befreites Aufatmen", sagte Fehrs.
Der Münchner Kardinal Reinhard Marx sagte in der Osternacht, die Menschen sollten sich in ihrem Engagement für Frieden und Solidarität nicht entmutigen lassen. Gerade jetzt brauche es österliche Menschen, die sich mit ihrer Begeisterungsfähigkeit gegen Egoismus, Hass und Verschwörungstheorien stellten. Die Geschichte der Menschheit sei nicht nur eine von Siegern und Besiegten, sondern ebenso von Frieden, Solidarität und Gerechtigkeit.
Am Ostersonntag kritisierte Marx außerdem den Missbrauch von Religion zur Rechtfertigung von Gewalt und Krieg. Es sei eine "schamlose Gotteslästerung", wenn US-Kriegsminister Pete Hegseth dafür bete, dass jede Kugel im Iran-Krieg ihr Ziel treffe. Gleiches gelte für die Aussage von Kyrill I., dem orthodoxen Patriarchen von Moskau, der den von Russland begonnenen Angriffskrieg gegen die Ukraine als einen "Heiligen Krieg" bezeichne.
Auch der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki hob die Friedensbotschaft von Ostern hervor. Das Leiden in der Ukraine, im Libanon, in Palästina und andernorts sei unübersehbar. In dieser Situation sei Ostern hochaktuell. Immer mehr Menschen suchten nach einer Friedensordnung, die überall auf der Welt gelte.
Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov für die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) hatte ergeben, dass Ostern für viele Menschen in Deutschland offenbar nicht mehr nur ein religiöses, sondern auch ein kulturelles Fest ist: Ein gutes Drittel (35 Prozent) sieht Ostern als beides an ("teils, teils"). 15 Prozent betonen den religiösen Charakter, 22 Prozent den kulturellen. 9 Prozent sehen Ostern als ein "vor allem kulturelles" Fest. Für 11 Prozent handelt es sich beim wichtigsten Fest für Christinnen und Christen "vor allem" um einen religiösen Anlass.
An einigen Orten in Deutschland wurde besonderes Brauchtum hochgehalten. So verkündeten mehr als 1.000 Osterreiter am Sonntag in der katholisch geprägten Oberlausitz die Botschaft der Auferstehung Jesu Christi. Insgesamt gab es neun Prozessionen, bei denen mit schwarzem Gehrock und Zylinder gekleidete Reiter auf geschmückten Pferden singend und betend in die jeweiligen Nachbarorte ritten.