Zweibrücken/Berlin (KNA) Der während einer Fahrkartenkontrolle in Rheinland-Pfalz attackierte Zugbegleiter ist nach dem vorläufigen Obduktionsergebnis an einer Hirnblutung gestorben. Es habe eine "erhebliche stumpfe Gewalteinwirkung gegen den Kopf" gegeben, teilte die Staatsanwaltschaft Zweib ...
Zweibrücken/Berlin (KNA) Der während einer Fahrkartenkontrolle in Rheinland-Pfalz attackierte Zugbegleiter ist nach dem vorläufigen Obduktionsergebnis an einer Hirnblutung gestorben. Es habe eine "erhebliche stumpfe Gewalteinwirkung gegen den Kopf" gegeben, teilte die Staatsanwaltschaft Zweibrücken am Mittwochabend mit.
Gegen den 26 Jahre alten Tatverdächtigen war Haftbefehl erlassen worden. Dabei handelt es sich laut Staatsanwaltschaft um einen 26 Jahre alten griechischen Staatsbürger, der nach eigenen Angaben in Luxemburg wohnt. Demnach liegen keine Vorstrafen oder polizeilichen Erkenntnisse in Deutschland vor.
Der Tatverdächtige wurde laut Staatsanwaltschaft am Montag in der Regionalbahn RE 4131 von Landstuhl nach Homburg von dem Zugbegleiter kontrolliert. Der 26-Jährige war demnach alleine unterwegs und konnte kein Ticket vorzeigen. Er sei aufgefordert worden, sich auszuweisen und anschließend den Zug zu verlassen. Daraufhin griff der Beschuldigte den Zugbegleiter mit mehreren heftigen Faustschlägen gegen den Kopf an, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Ein Messer oder andere gefährliche Gegenstände seien nicht eingesetzt worden.
Der Zugbegleiter habe das Bewusstsein verloren und sei nach einer Erstversorgung und Reanimation im Zug in ein Krankenhaus gebracht worden. Dort starb er am Mittwochmorgen an seinen schweren Verletzungen. Weitere rechtsmedizinische und kriminaltechnische Untersuchungen dauern den Ermittlern zufolge an. Auch würden Videoaufnahmen aus dem Zug ausgewertet. Der Hintergrund der Tat und das Motiv des Beschuldigten seien Gegenstand der Ermittlungen.
Die Gewalttat löste bundesweit Trauer und Entsetzen sowie Forderungen nach härteren Maßnahmen gegen "steigende Gewalt" im öffentlichen Raum. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) erklärte in Berlin: "Ich bin bestürzt, erschüttert und tief betroffen vom Tod des Schaffners Serkan C."
Die "steigende Gewalt" gegenüber Mitarbeitern des öffentlichen Dienstes und anderen Dienstleistern wie den Mitarbeitern der Bahn brauche entschiedene Konsequenzen, betonte der Innenminister. Der strafrechtliche Schutz für Mitarbeiter bei Dienstleistungsunternehmen wie der Bahn müsse "deutlich verschärft" werden. Die Mindeststrafen für Angriffe müssten deutlich erhöht werden.
Die Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG, Evelyn Palla, erklärte auf der Plattform LinkedIn: "Wir alle bei der Deutschen Bahn verurteilen diesen schrecklichen Gewaltexzess und den völlig sinnlosen Tod des Kollegen aufs Schärfste." Palla sprach von einem "schwarzen Tag für alle Eisenbahnerinnen und Eisenbahner im Land".
Die Bahn-Chefin beklagte: "Die Übergriffe auf unsere Mitarbeitenden nehmen, genauso wie auf Angehörige von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten, leider seit Jahren zu. Die Hemmschwelle für Gewalt in unserer Gesellschaft sinkt." Taten wie diese müssten "uns alle wachrütteln".
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) forderte eine "Sicherheitsoffensive" in Deutschland. "Die Gewalt auf deutschen Straßen und in Zügen nimmt derart zu, dass der Rechtsstaat anders und viel konsequenter handeln muss", sagte der GdP-Vorsitzende Jochen Kopelke dem Nachrichtenportal t-online. Es brauche jetzt "höhere Strafen, mehr Polizei und schnelle Justiz, aber auch wirksame Veränderung dieser Gewalt in Deutschland".
Der Fahrgastverband Pro Bahn brachte Schutzausrüstung für Zugpersonal ins Gespräch. "Leider nehmen Übergriffe auf das Zugpersonal seit einiger Zeit zu und machen die Arbeit der Bahnmitarbeiter gefährlicher und schwerer", sagte der Pro-Bahn-Bundesvorsitzende Detlef Neuß der "Rheinischen Post" (Donnerstag). "Schutz davor könnte nur die Begleitung durch Bundespolizei oder Bahnschutz bieten, was jedoch bei der Menge der täglich verkehrenden Züge personell kaum umzusetzen ist", sagte Neuß und fügte hinzu: "Bodycams oder Schutzwesten können zumindest bedingt vor Übergriffen schützen."