Berlin/Halle (KNA) Weil sie einem hochrangigen AfD-Politiker den Zugang verwehrten, erhalten jüdische Studenten in Halle laut einem Medienbericht Morddrohungen. Seit der Aktion vor der Synagoge bekomme man "deutlich mehr Anfeindungen und deutlich mehr Hass - bis hin zu Morddrohungen", sagte der ...
Berlin/Halle (KNA) Weil sie einem hochrangigen AfD-Politiker den Zugang verwehrten, erhalten jüdische Studenten in Halle laut einem Medienbericht Morddrohungen. Seit der Aktion vor der Synagoge bekomme man "deutlich mehr Anfeindungen und deutlich mehr Hass - bis hin zu Morddrohungen", sagte der Vorsitzende der Jüdischen Studierendenunion Deutschland (JSUD), Ron Dekel, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).
In diese Realität habe sie Sachsen-Anhalts Landtagspräsident Tobias Rausch gebracht, der sie in einer Pressemitteilung "unwahrheitsgemäß als linke Studenten tituliert" habe, sowie sein Stellvertreter Hans-Thomas Tillschneider (beide AfD). JSUD-Mitglieder hatten Tillschneider den Zugang zu einer Gedenkveranstaltung aus Anlass des Anschlags auf die Synagoge von Halle 2019 verweigert. Dabei sollen sie Tillschneider als "Nazi" bezeichnet haben. Die Staatsanwaltschaft Halle ermittelt wegen Verdachts der Beleidigung.
Der JSUD-Vorsitzende rechtfertigte die Blockade. "Rechtsextremisten haben in einer Synagoge nichts zu suchen", sagte er dem RND. Solche Menschen hätten mit ihrer Rhetorik so einen Anschlag erst möglich gemacht, so Dekel. Sie gehören vor allem nicht vor die Augen von Überlebenden und Angehörigen von Opfern, wenn diese trauern wollen.
Tillschneider habe versucht, die Angehörigen zu verhöhnen, indem er einen Koscher-Stempel bekommen wollte - "obwohl er ein klarer Antisemit ist, der von 'Schuldkult' spricht", beklagt Dekel. So jemandem müsse man sich in den Weg stellen. Es sei "statistisch belegt, dass rechtsextremer Antisemitismus, wie wir ihn von der AfD erfahren, die größte Gefahr für jüdisches Leben in Deutschland darstellt".
Dekel kritisierte zugleich die mögliche Bildung einer linken Regierung in Berlin. Seine Organisation habe in den vergangenen drei Jahren "selbst vornehmlich auf den linken Antisemitismus aufmerksam gemacht, der uns tagtäglich an den Universitäten begegnet", sagte er.
Auch die Linkspartei in Berlin stelle eine erhebliche Gefahr für jüdisches Leben dar, so der JSUD-Vorsitzende; sie sei in Teilen antisemitisch. Die Führung der Linken in Berlin distanziere sich nicht davon, um bestimmte Wählermilieus anzusprechen. Man erwarte von SPD und Grünen, dass sie das bei der Regierungsbildung berücksichtigen. Dekel wörtlich: "Es kann nicht sein, dass ein Berliner Senat auf Stimmen von Antisemiten in der Linken angewiesen ist." Diese müssten aus der Fraktion ausgeschlossen werden.