Oberammergau (KNA) Im Oberammergauer Passionstheater hat am Freitagabend unter großem Beifall die Premiere von "Tyll" stattgefunden. Christian Stückl schuf dafür aus dem gleichnamigen Roman von Daniel Kehlmann eine Bühnenfassung, an der rund 200 Oberammergauer Bürgerinnen und Bürger als Sc ...
Oberammergau (KNA) Im Oberammergauer Passionstheater hat am Freitagabend unter großem Beifall die Premiere von "Tyll" stattgefunden. Christian Stückl schuf dafür aus dem gleichnamigen Roman von Daniel Kehlmann eine Bühnenfassung, an der rund 200 Oberammergauer Bürgerinnen und Bürger als Schauspieler, im Chor und im Orchester mitwirkten. Spektakulär geriet der berühmte Drahtseilakt der Titelfigur. Ein Artistendouble spazierte gekonnt über das hoch oben quer über die große Bühne gezogene Seil, setzte sich darauf auch nieder und schwang sich gekonnt wieder hoch.
Erzählt wird in dem Stück die Geschichte des Tyll Ulenspiegel, der zu Beginn des 17. Jahrhunderts in einem kleinen Dorf geboren wird. Sein Vater, ein einfacher Müller, gerät in die Fänge der katholischen Kirche, wird der Hexerei angeklagt und hingerichtet, woraufhin Tyll mit der Bäckerstochter Nele flieht. Die beiden geraten in die Wirren des Dreißigjährigen Krieges. Auf seinem Weg wird er Zeuge blutiger Schlachten, erlebt Hunger, Armut und religiösen Fanatismus.
Stefan Hageneier schuf ein in grau-kühlen Tönen gehaltenes Bühnenbild mit einem Nadelwald im Hintergrund sowie einer sich in der Mitte befindlichen, immer wieder drehenden Hausruine. Ansonsten trugen Volk und Klerus schwarze Kostüme, der Adel hob sich farblich mit hellen Tönen entsprechend ab.
Nur Tyll (Maximilian Bender) mit seiner Narrenkappe und seine Gefährtin Nele (Anna Norz) ragten, nachdem beide sich für das Gauklerdasein entschieden haben, mit roten Gewändern aus dem Volk heraus. Markus Zwink komponierte für die Aufführung eine Musik im Sound des 17. Jahrhunderts. Darunter finden sich chorale Elemente, Fanfaren sowie die typischen Klänge der Spielmannszüge, die den Soldaten das Marschieren erleichtern sollte.
Unter den Darstellern waren bekannte Gesichter aus dem Passionsspiel 2022. Darunter der "Hohepriester Kaiphas" Andreas Richter als Vater Ulenspiegel, "Jesus" Rochus Rückel als Jesuit Atanasius Kircher und "Pilatus" Anton Preisinger als schwedischer König Gustav Adolf. Christoph Stöger, der zuletzt als Lieblingsjünger Johannes zu erleben war, gab den Henker Meister Tilmann.
Zugleich bot Stückl vielen jungen Leuten die Möglichkeit, sich erstmals in kleineren - Titeldarsteller Bender sogar in einer Hauptrolle - zu bewähren. Schließlich stehen 2030 die nächsten Passionsspiele an. Der renommierte Theatermann wird dann zum fünften Mal als Spielleiter verantwortlich sein.
Zurück geht das Passionsspiel auf ein Gelübde aus dem Jahr 1633, in dem die Bürger versprachen, alle zehn Jahre das Leiden, Sterben und die Auferstehung Christi darzustellen. Damit wollten sie die damals wütende Pest von ihrem Dorf abwenden. Das Passionsspiel zählt zu den bedeutendsten religiösen und kulturellen Ereignissen in Deutschland.