Bonn (KNA) Zehntausende junge Menschen werden bei bundesweiten Protesten am Samstag auf den Straßen erwartet. Laut Webseite der Initiative "Gen Z regelt" sind in über 30 Städten Demonstrationen "für Bildung, Gesundheit, Klimaschutz und ein bezahlbares Leben" geplant. Die Initiative schreibt ...
Bonn (KNA) Zehntausende junge Menschen werden bei bundesweiten Protesten am Samstag auf den Straßen erwartet. Laut Webseite der Initiative "Gen Z regelt" sind in über 30 Städten Demonstrationen "für Bildung, Gesundheit, Klimaschutz und ein bezahlbares Leben" geplant. Die Initiative schreibt selbst: "Unser Protest ist friedlich, ohne Ausnahme."
In den letzten Tagen wurden Bedenken laut, die Proteste könnten ähnlich wie in Frankreich und Italien ausarten. Jugendforscher Klaus Hurrelmann beklagte dagegen eine Stigmatisierung der Demos und ihrer Anliegen durch Unionspolitiker und Sicherheitskreise. "Die Initiative selbst mag naiv und unerfahren sein. Daraus folgt aber nicht, dass man ihre Teilnehmer unter Generalverdacht stellen darf", sagte der Sozialwissenschaftler im Interview der "Neuen Osnabrücker Zeitung".
In bislang 32 Städten sind Proteste am Samstag angekündigt. In fünf der Städte organisiert die Initiative "Gen Z regelt" die Demonstrationen nach eigenen Angaben selbst. In Berlin kündigte die Protestbewegung "Neue Generation" darüber hinaus Protesttage von Freitag bis Mittwoch an, wie aus einer Mitteilung am Donnerstag hervorging. Die Protesttage sollen laut der Bewegung ein Protest-Training, Workshops zum Grundgesetz und "Aktionen friedlichen zivilen Ungehorsams" einschließen.
Ziviler Ungehorsam bezeichnet einen mutwilligen Gesetzesbruch aus moralischen Gründen. Dieser ist nicht straffrei. Das Bundeskriminalamt rechne laut einem Artikel des Magazins "Spiegel" jedoch nicht damit, dass es bei den erwarteten bundesweiten Protesten junger Menschen am kommenden Samstag zu Ausschreitungen wie in Frankreich komme.
Die Bundesschülerkonferenz und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) schließen sich den Protestaufrufen nicht an und raten stattdessen zur Vorsicht. Laut der BDKJ-Vorsitzenden Lisa Quarch ist die Struktur "sehr intransparent". Auch die Generalsekretärin der Bundesschülerkonferenz, Amy Kirchhoff, rät deshalb dazu, "sich anzuschauen, wer organisiert den Protest bei mir vor Ort?" Insbesondere über die Kommunikationsplattform Telegram werde "immer mal wieder darüber informiert, wer das denn alles konkret vor Ort unterstützt", sagte Kirchhoff.
Viele Jugendliche und junge Erwachsene fühlten sich von der aktuellen Politik nicht gehört, so Quarch. "Wir verstehen, dass dadurch Frust entstehen kann." Sie forderte "verbindliche Beteiligungsformate für junge Menschen an politischen Entscheidungen", damit ihre Anliegen gehört würden und das Vertrauen in demokratische Prozesse gestärkt werde. Die Bundesschülerkonferenz plant eine eigene Demonstration für bessere Bildungspolitik am 20. November in Berlin, um den Anliegen der Schülerschaft Gehör zu verschaffen.