Erfurt (KNA) Thüringens erster Moschee-Neubau ist in Erfurt eingeweiht worden. Beim Festakt am Samstag mit 120 geladenen Gästen gab es viel Zuspruch, angekündigte Proteste vor dem Gelände am Stadtrand blieben aus. Das Gebäude mit Kuppel und einem acht Meter hohen Zierminarett gehört der mu ...
Erfurt (KNA) Thüringens erster Moschee-Neubau ist in Erfurt eingeweiht worden. Beim Festakt am Samstag mit 120 geladenen Gästen gab es viel Zuspruch, angekündigte Proteste vor dem Gelände am Stadtrand blieben aus. Das Gebäude mit Kuppel und einem acht Meter hohen Zierminarett gehört der muslimischen Ahmadiyya-Gemeinde, die im Freistaat rund 100 Mitglieder hat. Es ist der erste Moschee-Neubau in Ostdeutschland außerhalb von Berlin. Während der siebenjährigen Bauzeit hatte es vielfache Anfeindungen gegeben.
"Dass wir heute in dieser fertigen Moschee sitzen dürfen, ist keine Selbstverständlichkeit. Der Weg war lang und von vielen Herausforderungen, Gesprächen und Prüfungen geprägt, umso größer ist unsere Dankbarkeit", sagte der Präsident der Ahmadiyya-Gemeinde Thüringen, Suleman Malik, beim Festakt. Zuvor waren Verse aus dem Koran rezitiert worden. Angekündigte Proteste vor der Moschee blieben aus.
Malik erklärte, die neue Moschee solle ein Haus des Gebets, aber auch des Dialogs und des gegenseitigen Respekts sein: "Es soll Brücken bauen." Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) gratulierte per Videobotschaft und sprach von einem Tag großer Freude. Religion sei auch ein Ausdruck von Heimat, und er freue sich, dass die Ahmadiyya-Gemeinde hier Wurzeln geschlagen und Heimat gefunden habe.
Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow wünschte der Gemeinde einen "kraftvollen Start in die Glaubensarbeit und dass dieser Ort nicht beschmiert, geschändet und diskriminiert wird". Er erinnerte an islamfeindliche Proteste, die die Bauzeit begleitet hatten, und an Debatten um das Zierminarett, das von einigen als "Bedrohung der Freiheit" bezeichnet worden sei. Ramelow hatte das Projekt während seiner Zeit als Ministerpräsident nachdrücklich unterstützt.
Seit der Ankündigung des Bauvorhabens hatte es immer wieder teils massive islamfeindliche Proteste gegeben. Moschee-Gegner errichteten meterhohe Protest-Kreuze und spießten im Sommer 2017 Schweinekadaver auf dem Gelände auf.
Erfurts Oberbürgermeister Andreas Horn (CDU) sprach von einem neuen sichtbaren Ort des religiösen Lebens in der Stadt. Er wünsche sich, dass die Moschee ein Ort der Begegnung werde. Der Ahmadiyya-Bundesvorsitzende Abdullah Uwe Wagishauser sagte: "Als wir 2008 die erste Moschee in Ost-Berlin eingeweiht haben, da standen wir allein da. Aber hier in Erfurt waren wir nie allein."
An dem Festakt nahmen auch der katholische Bischof Ulrich Neymeyr, der evangelische Landesbischof Friedrich Kramer und der Vorsitzende der jüdischen Landesgemeinde, Reinhard Schramm, teil. Neymeyr sagte auf Anfrage, er sei froh, dass die Ahmadiyya-Gemeinde jetzt eine Moschee habe. Zugleich hoffe er, dass von der Eröffnung ein positives Signal für die Religionsfreiheit in andere Länder ausgehe, wo es Christen teilweise nicht erlaubt sei, Gotteshäuser zu bauen.
Der Grundstein für die Moschee wurde 2018 gelegt. Sie steht am Rand von Erfurt in einem Gewerbegebiet. Der Bau, zu dem neben einem schlichten Gebetsraum auch eine Wohnung für den Imam gehört, wurde ausschließlich aus Spenden finanziert und kostete den Angaben zufolge 1,4 Millionen Euro. Am Sonntag öffnet die Mahmud-Moschee von 10.00 bis 18.00 Uhr ihre Türen für eine größere Öffentlichkeit zum "Tag der offenen Moschee".
Die Ahmadiyya-Gemeinschaft versteht sich als weltweite islamische Reformbewegung, wird aber von vielen anderen muslimischen Strömungen nicht anerkannt und teils verfolgt. Bundesweit hat sie nach eigenen Angaben etwa 60.000 Mitglieder und unterhält mehr als 60 Moscheen.